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Nachdenkliches

Die Esche - ein Symbol

Die Esche ist ein germanischer Götterbaum, er war einmal Menschen heilig. Die Esche ist zur Zeit - aufgrund der Klimaveränderung - ein gefährdeter Baum, der sogar vom Absterben, vom Aussterben bedroht ist.

Nun hat sich bei mir im Garten eine Esche selbst gepflanzt - ein Vogel muss den Samen in meine Hecke getragen haben und dort ist er aufgegangen.

Diese Esche ist schon mindestens fünf Meter hoch. Sie steht neben einer der beiden Birken, die 1961/62 im saarländischen St. Ingbert im Blumentopf auf einem Balkon - auch aus Samen - aufgegangen sind und, in Hochheim eingepflanzt, riesig geworden sind.

Gegenstände, auch Pflanzen können Symbole oder Zeichen sein, die eine Bedeutung haben, weil sie etwas deuten.

Wenn Eschen bei den Germanen Symbole der Erneuerung wie auch der Beständigkeit, Hinweis auf eine über die Macht der Menschen hinausgehende Macht waren, dann sinne ich darüber nach, warum ausgerechnet in der Zeit der kranken Wälder und des Baumsterbens in meinem Garten eine Esche neu aufwächst:

Ist es nicht ein Zeichen dafür, dass über dem, was der Mensch alles falsch machen kann und auch gemacht hat, eine Macht das Sterben und Neuwerden, ja das Auferstehen in der Hand hat und wir nur staunend mitwirken können?

Ich vertrete gewiss keinen Glauben an die Natur, aber für mich steht hinter dem, was wir Natur nennen, eine Macht, die wir Gott nennen und in deren Hand das Sterben und Wiedererstehen liegt. Der Mensch kann töten - auch die Natur - aber er kann auch auf die Macht Gottes hören, hinhorchen und das Wiederwerden, das Neuwerden fördern.

Ich meine, das hat mit Karfreitag und Ostern zu tun.

Darüber sollten wir nachdenken.

Adolf Schmitt

EG Nr. 97

„Holz auf Jesu Schulter .... ward zum Baum des Lebens"

Dass man nicht ärmer wird, wenn man sich bei Anderen umschaut, zeigt dieses Lied, das aus einem niederländischen Gedicht von 1963 dort 1973 zu einem Gesangbuchlied geworden ist. Der Pfarrer, Dozent und Dichter Willem Barnard hat es geschrieben und der Berliner Theologieprofessor Jürgen Henkys hat es 1975 ins Deutsche übertragen und 1977 veröffentlicht. Im 1. Vers wird die Last des Leidens Jesu buchstäblich mit dem Tragen des Kreuzes angezeigt, aber auch im übertragenen Sinne verstanden: „von der Welt verflucht". Zugleich wird hier Ostern schon in den Karfreitag hineingenommen mit den Worten „und bringt große Frucht". Und auch die Glaubenden werden mit ihrer Bitte „kyrie eleison = Herr, erbarme dich unser" mitgesehen und das „ruf uns aus den Toten" wörtlich und übertragen auf den menschlichen Alltag, angesagt. Die alte Symbolik vom Kreuzesstamm als Lebensbaum, die schon im 6. Jahrhundert thematisiert worden war, kehrt im 20. Jahrhundert in die Glaubenssprache zurück. Im 2. Vers geht die Fahrt durch die Welt weiter und hier wird mit dem Refrain, der mit „kyrie eleison" beginnt, der Friede erbeten Im 3. Vers steht die anklagende Erde dem ansagenden Himmel mit seinem „alles ist vollbracht" gegenüber und der Kehrvers verdeutlicht erneut die Bindung an den Herrn. Im 4. Vers leuchtet das Osterlicht; der „strengen Güte" folgt das „gnädige Gericht".

Und das zum vierten mal gesungene „Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehen" hat jetzt schon etwas vertraut Tröstliches. Im 5. Vers werden wir an unseren Umgang mit der Erde erinnert, indem vom Abgrund geredet wird; aber wiederum behält die vertrauende Bitte das letzte Wort. Der letzte Vers nimmt das Bild des ersten wieder auf und rundet den Trost ab mit der Bitte „lass uns auferstehen", was hier durchaus auch als ein „Aufstehen vom Schlaf" verstanden werden kann. Die große poetische Kraft des Erstdichters wie auch die des Nachdichters haben uns ein schönes, wahres und zugleich tief nachzuempfindendes Lied geschenkt. Dass die Melodie aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist, den ein belgischer katholischer Priester und Musikdozent gewonnen hat, hat sicher dazu beigetragen, dass es nun auch in katholischen Gesangbüchern steht.

Adolf Schmitt

Wer ist konfessionell mit uns verwandt?

Die Mennoniten

In manchen Gegenden Deutschlands kennt man den Namen dieser Mitchristen gar nicht, in anderen lebt man mit ihnen Tür an Tür.

Ihren Namen haben diese Evangelischen vom Niederländer Menno Simons (1496-1561), der als ehemaliger katholischer Priester sich der Täuferbewegung angeschlossen hatte und in West -und Ostfriesland, am unteren Rhein, an der Ostsee und in Holstein wirkte.
Die Gemeinden verwarfen die Kindertaufe und den Eid, lebten aber ansonsten sehr streng nach reformierter Tradition und versuchten friedliche und gute Menschen zu sein.

Sie wurden verfolgt und getötet, erhielten in Holland 1572, in der Schweiz, einigen norddeutschen Städten und der Pfalz Duldung. Später wanderten viele nach Ostpreußen und bildeten dort größere Gemeinden. Auch Holländer wanderten nach Ostpreußen, was dort lange an holländischen Namen erkennbar war, und von dort zogen einige später nach Amerika. Nach dem dreißigjährigen Krieg besiedelten Mennoniten aus der Schweiz im deutschen Südwesten insbesondere abseits liegende, verwaiste Bauernhöfe. Mennoniten sind wie eine große Familie - auch weil viele miteinander verwandt sind.

Auswanderung nach Russland brachte es mit sich, dass unter den Rückwanderern nach Deutschland auch Mennoniten sind. Größere Mennonitengemeinden gibt es in Pennsylvania und in Paraguay.

In Europa sind es noch rund 62 000, in Deutschland allein 40 000, weltweit rund zwei Millionen, auch einige in Afrika. Zu ihrem Glauben zählt die Ablehnung autoritärer Strukturen in Kirche und Staat. Sie organisieren sich in Einzelgemeinden, lehnen den Eid und den Wehrdienst ab und kennen nur die Erwachsenentaufe, zu der sie sich im Alter von 16 Jahren entscheiden. Sie versuchen in Jugendgruppen die Jugendlichen aus den Mennonitenfamilien zusammenzubringen und kennen sowohl Prediger, die Theologie studiert haben als auch gestandene Handwerksmeister, die in dreijährigen Kursen auf den Pfaudienst vorbereitet werden, ihn einige Jahre ausfüllen und dann wieder in den Beruf einsteigen.

Wo es Mennonitengemeinden gibt, ist die Zusammenarbeit mit landeskirchlichen evangelischen Gemeinden gut, aber sie sind auch immer ein Grund für Kirchenmitglieder über das eigene Christsein nachzudenken, denn diese Gemeinden finanzieren ihre Arbeit aus freiwilligen Mitgliedsbeiträgen, weil sie keine Kirchensteuern kennen. Dass ihre Gottesdiensträume schlicht gestaltet sind, versteht sich von selbst, denn die reformierte Tradition konzentriert alles auf das auszulegende Bibelwort.

Adolf Schmitt