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Massenheim

Das Gemeindehaus in Massenheim

Unser Gemeindehaus in der Friedensstraße 10 ist, abgesehen von der Kirche, das älteste Gebäude der Kirchengemeinde. Der 1958 fertiggestellte Bau wurde mit der Notwendigkeit begründet, einen Raum für einen Kindergarten zu haben. Einen solchen beherbergte er auch lange. Aber schon damals dachte und plante man weiter. Längst ist die Kindertagesstätte umgezogen. Heute befinden sich dort das Gemeindebüro, ein Gemeindesaal, eine Küche, sanitäre Einrichtungen, sowie eine Wohnung im ersten Stockwerk.

Auch für Vereine und Privatpersonen, für Feste und Versammlungen, sind einige der Räumlichkeiten nutzbar.

Tag des offenen Denkmals

Eine Urkunde aus dem Jahre 909 in der Kaiser Ludwig "das Kind" der Überlassung Massenheims an den Mainzer Erzbischof Hatto zustimmte, erwahnt erstmals eine Kirche in Massenheim. Es ist durchaus moglich, dass dieser Bau sich an eben der Stelle befand, wo auch heute die Kirche steht.

Seitdem hat sie mehrmals ihre ausere Gestalt und einmal ihr Bekenntnis verandert. Der erste evangelische Pfarrer wird im Jahre 1566 erwahnt, nachdem bereits 40 Jahre zuvor (1526) ein evangelischer Pfarrvikar in Massenheim tatig war.

Und so wie sich die Kirche eher am Rande des Dorfes befindet, so war auch die Gemeinde jahrhundertelang durchaus so etwas wie ein evangelischer Ausen-posten und somit mit der geistlichen Versorgung der evangelischen Diaspora der uberwiegend romisch-katholischen Orte Hochheim, Florsheim oder Bischofsheim betraut. Davon ubrig blieb der heutige Florsheimer Stadtteil Wicker, der zusammen mit dem zu Hochheim gehörenden Ort Massenheim die
Evangelische Kirchengemeinde Massenheim - Wicker bildet.

Geschichtlicher Uberblick

909 Ersterwahnung einer Kirche in Massenheim Kirchenpatronat durch Kloster Fulda

13. Jahrhundert Massenheim zur Herrschaft Eppsteins

1526 Evangelischer Pfarrvikar in Massenheim

1566 Erster evangelischer Pfarrer in Massenheim

1579 Einsturz des Turmes, Zerstorung der Kirche

1581 Kirchenneubau

1660 Kloster Fulda verkauft das Kirchenpatronat an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

1762 Erweiterter Neubau des Kirchenschiffs

1909 1000-Jahr-Feier der Kirche

2000 / 2001 Grundliche Innenrenovierung

2009 1100-Jahr-Feier der Kirche

mehr zum Tag des offenen Denkmals mit wunderschönen Illustrationen ...

Kirchenglocken in Massenheim

Der Turm unserer Massenheimer Kirche beherbergt vier Glocken, deren älteste aus dem Jahr 1742 stammt. Sie hängen in der Glockenstube, wo das Turm-Mauerwerk mit spitzbogigen Doppel-Arkaden durchbrochen ist; sie dienen zu kirchlichem Läuten und schlagen die Zeit der Massenheimer Turm-Uhr.

Glocken sind meist aus Metall, häufig Bronze gegossen. Schon 100 Jahren lang gibt es auch Gußstahl-Glocken.

Seit fast zweitausend Jahren rufen Glocken zum Gottesdienst. Über das Abendland haben sie sich seit 500 n.Chr. verbreitet, ausgehend von den Klöstern Nordafrikas. Theophilus, ein Mönch, beschreibt um 1100 die Gusstechnik. In Deutschland ist die älteste noch verwendete Glocke die Lullus-Glocke in Hersfeld von 1059.

Glocken können also sehr alt werden und dabei verschiedenen Bestimmungen dienen.

Gefahr drohte ihnen immer in Kriegszeiten; dann wurden sie häufig geraubt oder eingezogen, eingeschmolzen und ihr Metall beim Guss von Granaten und Kanonen verwendet. Da haben auch unsere Kirchenglocken ihre Geschichte.

Läute-Ordnung

Die Woche und das Kirchenjahr haben bei unserm Glocken-Läuten eine klare Ordnung:

Samstag abend läuten die Glocken um 18 Uhr den Sonntag ein, und am Sonntag abend wird er zur gleichen Zeit aus-geläutet, und zwar läutet zunächst aufeinanderfolgend jede Glocke einzeln für zwei Minuten, beginnend mit der kleinsten um 18 Uhr, die nächstgrößere ist zwei Minuten später zu hören, dann die folgende und als letztes die größte, schließlich alle zusammen für 3 Minuten (dazu werden sie in kurzen Abständen von 5 - 8 Sekunden von klein nach groß nacheinander ein- und später in genau umgekehrter Reihenfolge wieder ausgeschaltet).

Unser Einzeln-Anläuten ist recht ungewöhnlich, denn meist werden die Glocken eine zur anderen hinzu-geschaltet. Mit Massenheim vergleichbar ist in unserer Gegend nur noch Nordenstadt; da wird, einer örtlichen Tradition folgend, sogar erstaunlicherweise zunächst einzeln die große, dann die kleine geläutet.

Am Sonntag vormittag wird vor dem Gottesdienst mit der zweitgrößten, der Ruf-Glocke, geläutet, eine Stunde und noch einmal eine halbe Stunde vor Gottesdienst-Beginn, und dann 5 Minuten vor dem Gottesdienst mit allen Glocken zusammen.

Während des Gottesdienstes wird das "Vaterunser-Läuten" der Ruf-Glocke eingeschaltet.

Alltäglich, nämlich Montag bis Samstag, läuten in Massenheim die Glocken um 10 Uhr, und zwar für drei Minuten die beiden mittleren Glocken, - eine ungewöhnliche Läutezeit, die ihre Entsprechung im "Schweden-Läuten" des Ländchens hat und als "Dankes-Läuten" für den Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg überliefert ist.

Es folgt um 11 Uhr für drei Minuten die zweitgrößte, die Ruf-Glocke, mit dem "Lob Gottes"- oder "Mittags"-Läuten, ein "bürgerliches" Läuten, wie es in früheren Zeiten und in anderen ländlichen Gegenden noch heute um 11 und gelegentlich auch um 13 Uhr die Mittagspause der Feldarbeit anzeigen soll.

Montag bis Freitag gibt es dann noch das Abendläuten für drei Minuten mit allen Glocken, von Oktober bis März um 17 Uhr, von April bis September um 18 Uhr - früher beim Handläuten auf den Einbruch der Dämmerung abgestimmt.

Dem Gottesdienst-Läuten entspricht das Läuten an Festtagen mit Gottesdienst, das über die Quarzuhr/Computer-Steuerung auch automatisch abläuft.

Das Läuten für besondere Gottesdienste läßt sich auch direkt einschalten, ebenso wie bei Trauerfällen das Läuten mit allen vier Glocken auf dem Weg vom Haus des Verstorbenen bis zur Friedhofskapelle und später das Läuten zur Trauerfeier, beginnend eine Viertelstunde vorher mit dem "Bei Haus"-Läuten, währenddessen früher die Trauergesellschaft dem Sarg vom Haus zum Friedhof folgte, und dem Läuten zum Beerdigungs-Gottesdienst selbst.

Als letztes Regel-Läuten ist dann noch das Altjahrs-Läuten um Mitternacht zum Jahreswechsel zu nennen, mit allen Glocken.

Zu jedem Läuten außerhalb dieser Ordnung hat der Kirchenvorstand zu beschließen. Dies geschah als Letztes am 3.Oktober 1990, ein Läuten aus Anlaß der deutschen Einigung.

Geschichte unserer Kirchen-Glocken

Schon früh wird in Chroniken von Kirchenglocken in unserm Ort berichtet:
"Mit Hilfe des Hofes von Mechtildshausen sollen die ersten Glocken für Massenheim beschafft werden" heißt es 1579,

1579 gehörte Massenheim als Herrschaft Eppstein zu Hessen-Marburg unter Landgraf Ludwig IV... In Eppstein saß die Verwaltung, in Mechtildshausen war das Gericht. Ludwigs Vater, Philipp der Großmütige, hatte in Hessen ab 1526 die Reformation eingeführt und eine Hessische Landeskirche gegründet, innerhalb derer das Ländchen zur Superintendentur Darmstadt gehörte

und 1667 "Im Turm befinden sich zwei neue feine Glocken".

1667 regierte Landgraf Ludwig VI. von Hessen Darmstadt. Verwaltungssitz unseres Ländchens war inzwischen Wallau geworden (Amt Wallau).

Um 1740 fanden wohl größere Umbauten am Geläut statt - die Jahreszahlen 1739 am alten Glockenstuhl und 1742 an der Bronze-Glocke deuten darauf hin. Wir kennen Urheber und Anlaß dieses Glockengusses nicht, aus dem unsere heute noch benutzte Senior-Glocke stammt.

1742 regierte in Darmstadt Landgraf Ludwig VIII.

Bis 1855 gab es zwei Glocken. Die kleinere war von Roth in Mainz 1742, die größere trug die Inschrift "1594 von Hans Kerl" und hatte einen Sprung ! Sie wurde vom Glockengießer Hamm in Frankenthal aus dem Gemeinde-Budget 1855 umgegossen, gleichzeitig mit dem Guß einer weiteren Glocke, die durch Sammlungen in der Gemeinde finanziert wurde, so daß sich nun ein "hübscher Dreiklang" ergab.

1855 gehörte Massenheim ins Amt Hochheim unter Herzog Adolf von Hessen-Nassau und war eine evangelische Gemeinde der Nassauischen Union. Ortspfarrer war Carl Ludwig Hegmann, der dieses Amt von 1854 bis 1864 ausübte. Die Versorgung der Pfarrer in Naturalien aus dem Pfarrzehnten war gerade sechs Jahre zuvor abgelöst worden durch eine Besoldung.

Das Läuten der Glocken hatte der jeweilige Schullehrer zu besorgen, worüber es eine herzogliche Anordnung gab, die auch das Entgelt dafür regelte, und sollte beileibe nicht etwa den Schulkindern übertragen werden.

1866 wurde Nassau preußisch.

Im ersten Weltkrieg war im Januar 1917 der Zinnprospekt der Orgelpfeifen zur Beschlagnahmung erfaßt worden und am 1.März wurden dann auch die Bronze-Glocken beschlagnahmt.

Massenheim war damals in der Provinz Hessen-Nassau Teil des Königreichs Preußen im Deutschen Kaiserreich und gehörte kirchlich zur Nassauischen Union. Ortspfarrer war seit 1893 Pfarrer Heinrich Wolff.

Die Orgelpfeifen wurden im April durch den Orgelbauer abgebaut - für 57 kg gab es einschließlich Ausbau-Prämie 395 Mark an die Kirchengemeinde.

Die Glocken wurden dann Ende Juni eingefordert (der Pfarrer erfuhr dies beim Beschluß der Gemeindevertretung), am 29. Juni wurden nach einstündigem Abschiedsgeläut aller drei die beiden größeren aus ihrem Lager gehoben, und in Teile zerschlagen weggeführt, gegen Zahlung von 3,50 M plus 1 M Prämie pro kg an die Zivilgemeinde als Eigentümer.

Nach dem Krieg sorgten die Gemeinden wieder für ihre Kirchenglocken, und im Februar 1925 beschloß auch die Zivilgemeinde Massenheim, das Geläut zu vervollständigen und drei neue Glocken zu beschaffen.

Aus der königlich-preußischen Provinz war das Hessen-Nassau der Weimarer Republik geworden. Massenheim gehörte zum Landkreis Wiesbaden und lag in den Rheinlanden, die nach Kriegsende bis 1930 durch alliiertes Militär besetzt waren - häufigste Einquartierung waren Franzosen. Auch über diese Zeit war H.Wolff Pfarrer in Massenheim - er blieb es bis 1933, sein 72.Lebensjahr.

Für die Glocken wurde der Auftrag nach Verhandlungen mit Hamm in Frankenthal schließlich an die Firma Rinker in Sinn bei Herborn vergeben (Pfarrer und KV wurden zur Glocken-Anschaffung nicht befragt). - Die Glocken waren weiterhin Eigentum der Zivilgemeinde und zu ihrer Finanzierung wurde damals auch das "Jagdgeld" verwendet, was sonst an die Gemeindemitglieder ausgezahlt wurde.

Die neuen Glocken wurden am 1.April nachmittags feierlich vom Bahnhof Flörsheim nach Massenheim eingeholt, wo sie von der Gemarkungsgrenze an vom Geläut der verbliebenen kleinen Glocke begrüßt wurden.
Die Glocken hatten entsprechend ihrer Größe unterschiedliche Tonhöhen und trugen verschiedene Inschriften,

große Glocke, cis,
"Läute, Glocke, läute Frieden,
läute Ruh in jedes Herz,
Endet einst mein Tag hienieden,
läute du mich himmelwärts",
mittlere Glocke, h,
"Gottes Wort und Luthers Lehr
vergehen nun und nimmermehr",
kleine Glocke, a,
"Den Gefallenen zum Gedächtnis,
den Trauernden zum Trost"

Glockenweihe war am Palmsonntag, 5.April 1925; die kleinste Glocke, die seit 1917 allein geläutet hatte, wurde, weil sie klanglich nicht zu den neuen paßte, abgenommen und außer Dienst auf den Turm-Boden gestellt.

Auch im zweiten Weltkrieg waren Gegenstände aus kriegswichtigen Metallen abzuliefern, wie bronzene Kirchenglocken, wobei wiederum eine Glocke in Massenheim blieb.

Der Massenheimer Pfarrer Helwig war seit April 1940 zu Kriegsdiensten eingezogen, der Ort wurde von den Nachbar-Pfarreien aus versorgt.

Diesmal konnten schon fünf Jahre nach Kriegsende neue Glocken beschafft werden, die nun Eigentum der Kirchengemeinde sind.

Massenheim gehört zum 1928 gegründeten Main-Taunus-Kreis, nunmehr innerhalb des Landes Hessen; die Kirchengemeinde zählt zu den Unierten Kirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland, und zwar zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, im Dekanat Wiesbaden-Wallau der Propstei Südnassau; Ortsgeistlicher war Pfarrer Hahn, der dieses Amt von 1948 bis 1975 in Massenheim ausübte.

Im Herbst 1949 fand für die Anschaffung neuer Glocken eine erste Haussammlung durch den KV und Mitglieder der Gemeindevertretung statt; private Spenden folgten, wie beim Theaterabend des GeGesangvereins, bei Konfirmations-Familienfeiern u.ä.; schließlich wurde 1950 auch noch DM 500.- als Zuschuß von der Gemeindevertretung zugesagt, so daß bei einem "Glockenfonds"-Stand von 3.700,- der KV am 23.September 1950 die Bestellung von drei neuen Glocken beschloß, bei Fa.Weule in Bockenem am Harz, komplett mit Klöppeln und Schwengeln - es wurde ja noch von Hand geläutet - und mit den notwendigen Änderungen am Glockenstuhl. Die Gesamtkosten einschließlich eines neuen Glockenstuhl aus Eisen betrugen DM 5.200.-. Diese Glocken sind aus "Klangguß" also Gußstahl, und dürften danach für folgende Generation nicht so kriegswichtig wie Kupfer, Zinn oder Bronze sein.

In der Gemeinde wurde für die neue Glocken-Anlage der alte Eichen-Glockenstuhl abgebaut, der in Teilen von 1739 war (eine Tafel zeigte es an). Die zu 2/3 zugemauerten Klang-Arkaden wurden wieder geöffnet und mit hölzernen Schalläden versehen, die aus der Glockenstuhl-Eiche hergestellt wurden.

Die neuen Glocken trafen am 19. Dezember 1950 in Massenheim ein und wurden festlich am Nußbaum am Ortseingang von Wallau her empfangen; am nächsten Tag wurden sie im Turm hochgezogen und aufgehängt und dann am 23.Dezember abends mit einem Gottesdienst eingeweiht. Die kleinste Glocke paßte jetzt wieder harmonisch ins Geläut und wurde mit den drei neuen zusammen in den Glockenstuhl eingesetzt.

Seither verrichten unsere vier Massenheimer Kirchenglocken getreulich ihren Dienst, sie läuten zu Mittag und am Abend, zu Gemeinde-, Hochzeits- und Trauer-Gottesdiensten und zum letzten Weg der Gemeindeglieder, zum Gedächtnis des Friedens nach dem Dreißigjährigen Krieg und zum Jahres-Schluß, und nebenher wird durch den Stundenschlag noch quarz-genau die Zeit kundgetan.

Keine Glocke gleicht der anderen,
Glocke 1, aus Stahl , 1.100 kg schwer, Durchmesser 1,21 m, Ton g, die Gedächtnis-Glocke, trägt die Inschrift

"Unseren gefallenen, vermißten Brüdern des Weltkrieges 1939/45 zum Gedächtnis"
und
"Niemand hat größere Liebe denn die,
daß er sein Leben läßt für seine Freunde",

Glocke 2, Stahl, 640 kg, Durchmesser 1 m, Ton b, die Rufglocke, mit
"O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort",
Glocke 3, Stahl, 550 kg, Durchm. 90 cm, Ton c, die Betglocke, damals auch Vaterunser-Glocke, mit der Inschrift

"Bet und arbeit, so hilft Gott allezeit",

alle drei auf der Rückseite mit "Massenheim" und "1950" gezeichnet,

und Glocke 4, aus Bronze, Durchm. 70 cm, 210 kg, Ton d, die älteste, von Pfarrer Hahn "Jahrhundertglocke in Freud und Leid" genannt, zeigt mit ihrer Inschrift Gußjahr und Gießer: "1742 goß mich Christoph Roth aus Mainz".

Wer läutet nun die Glocken ? 1670 war es der Lehrer, später der Küster der Gemeinde. 1961 wurde ein Motor-Läutewerk für die Glocken vom Turmuhren-Fachmann Höckel aus Flörsheim eingebaut, zu-sammen mit einer Präzisions-Uhr. Seit 1987 haben wir eine "Läutesteuerung" derselben Firma in unserem Turm, die sich nach unserer "Läute-Ordnung" richtet - einzig das Vaterunser-Läuten wird vom Küster im Gottesdienst jedesmal von Hand eingeschaltet.